Die Ausganssituation

Laut Berufsprognose des WIFO wird die Nachfrage nach qualifizierten technischen Fachkräften steigen und nicht mit den in Ausbildung stehenden Jugendlichen gedeckt werden können. Für die erfolgreiche Zukunftsgestaltung ist es wichtig, Kindern, (Groß-)Eltern und PädagogInnen einen neuen und anregenden Zugang zu Wissenschaft und Technik zu ermöglichen.

Regionale und landesweite Projekte für die TechnikerInnen der Zukunft

Die Bezirke Vöcklabruck, Gmunden und Kirchdorf haben bereits regionale Projekte geplant bzw. durchgeführt. Die bisherigen Maßnahmen erreichten Kinder ab dem Schulalter und zielten darauf ab, Kinder und Jugendliche - besonders Mädchen - für technische Berufe zu begeistern.
Das Land Oberösterreich hat aufgrund der dargestellten Lage die Initiative „Jugend in die Technik” gestartet.

Pilotregion Vöcklabruck-Gmunden-Kirchdorf

Das Pilotprojekt KET – „Kinder Erleben Technik” wurde entwickelt, um Kindern bereits am Beginn ihres Bildungsweges - nämlich im Kindergarten - die Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen Phänomenen und technischen Fragestellungen zu ermöglichen. Wissenschaftliche Untersuchungen von Dr.in G. Lück (Univ. Bielefeld) weisen auf das große Interesse von Kindergartenkindern an diesen Themen hin und zeigen auf, dass Erlebnisse im Kindergartenalter wesentlich die weitere Interessensbildung und damit die spätere Berufswahl beeinflussen können.

Innovationskraft für die Zukunft

Betriebe können sich in diesem Projekt im Zusammenhang mit Bildungsangeboten für Kinder engagieren und so selbst einen weiteren Beitrag leisten, damit sie auch langfristig genügend qualifiziertes Personal haben werden.

Entwicklungspsychologische Voraussetzungen

Kinder fragen ständig „Warum?“ und „Wie?“. Sie signalisieren uns damit, dass sie unglaublich wissbegierig an den Vorgängen ihrer Umwelt interessiert sind. Sie wollen das Wasser, das Wetter und die Gebrauchsmöglichkeiten technischer Geräte erkunden und verstehen. Sie brauchen Zeit und Gelegenheit zum Beobachten, zum Experimentieren und zum Forschen.
Kinder sind kleine Wissenschaftler und bereits im Vorschulalter können Kinder Experimente zur Beantwortung einfacher Fragestellungen auswählen. Sie entwerfen intuitive Theorien und nutzen empirische Beobachtungen zur Bildung, Prüfung und Revision dieser Theorien. Kinder können über diese Prozesse auch reflektieren.
Die Frage, ob Kinder im Vorschulalter bereits fähig sind, sich mit Themen aus Naturwissenschaften und Technik näher auseinanderzusetzen, kann also mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden. Neuere Forschungsbefunde ergaben, dass auch Drei- bis Fünfjährige die entwicklungs-psychologischen Voraussetzungen dafür haben. Schon Kindergartenkinder verfügen über differenzierte Denkstrukturen, die es ihnen ermöglichen verschiedene Sachzusammenhänge aus Naturwissenschaften und Technik zu verstehen und sie sind dazu in der Lage, selbstständig grundlegende Wenn-Dann-Beziehungen herzustellen. Ihr Verständnis für diese Fragestellungen scheint daher weitaus größer zu sein, als bisher angenommen.

Pädagogische Leitlinie

Wer mit Kindern arbeiten möchte, muss sich vielen Herausforderungen stellen. Pädagoginnen und Pädagogen müssen sich selbst als lernende Personen verstehen, mit der Bereitschaft auch von Kindern lernen zu wollen, aber auch mit dem Wissen, nicht alles zu wissen – und dies auch aussprechen zu können. Gemeinsam zu lernen ist wohl eine der schönsten Herausforderungen in der Arbeit mit Kindern.
Um ein gemeinsames Lernen zu ermöglichen, sollten wir uns trauen, auch mal etwas auszuprobieren von dem wir nicht wissen wie oder warum es funktioniert. Wir müssen und können nicht alles wissen, aber warum nicht Internet oder ein Lexikon zur Hilfe holen und einen Versuch noch einmal machen.
Speziell im Kindergarten müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass wir keine Wissensvermittler sind, sondern vielmehr Betreuer von Lernprozessen. Lernen ist zwar eine individuelle Tätigkeit, aber sie vollzieht sich immer mit und in Beziehung zu Anderen. Im Kindergarten befinden sich die Kinder in einer Gemeinschaft, sie sind in einen sozialen Kontext eingebunden, der das Lernen mit beeinflusst. Die Anderen, also die anderen Kinder, die PädagogInnen und HelferInnen konstruieren durch ihre spezifische Sprache und Denkweise das Wissen der Kinder mit.
Das Ziel unserer pädagogischen Arbeit also ist es, die Kinder zum selbstständigen Experimentieren zu ermuntern. Sie aufzufordern ihre Beobachtungen, Hypothesen und Fragen zu formulieren.

Bildungseffekt von naturwissenschaftlichem Experimentieren im Kindergarten

Nicht alleine das Beobachten, sondern vor allem die eigene experimentelle Erfahrung hat sich bei Kindern als ein erster Zugang zur Natur bewährt. Zugleich bildet das Experimentieren auf mehrfache Weise: Es werden die Geschicklichkeit, der Gesichtssinn, die akustische und die taktile Wahrnehmung geschult und geschärft.Außerdem müssen die Kinder zu einem vorgegebenen Zeitpunkt Beobachten, denn schon wenig später ist vielleicht alles vorbei.
Durch die Aufforderung an die Kinder ihre Beobachtungen und Hypothesen und Fragen zu formulieren, sind außerdem die sprachlichen Fertigkeiten gefordert. Auch das Aufzählen der für das Experiment benötigten Materialien braucht sprachliches Wissen und einen großen Wortschatz.
Experimentieren hat zu dem auch noch einen kognitiven Aspekt: Es bedarf einer Deutung, vor allem, wenn das Ergebnis verblüfft und Anlass zum Hinterfragen gibt. Dieses Hinterfragen entspricht dem stark ausgeprägten Wissensdrang von Vorschulkindern, den sie mit vielen „Warum-Wieso-Weshalb“-Fragen zum Ausdruck bringen. Gerade Phänomene der unbelebten Natur lassen sich durch Kausalbeziehungen, d.h. Wenn-dann-Bezüge deuten. Z.B. „Immer wenn einer Kerze Luft entzogen wird, dann erlischt sie“